Die Stellvertreter-Wahl geht weiter
Nachdem die SVP ein Wahlmänner-Wahlkampf nach US-Vorbild gemacht hat („Blocher stärken, SVP wählen“) kommt man in Zürich auf eine neue Variante dieses Stellvertreter-Wahl. Neuerdings heisst der Spruch „Schlüer stärken, Maurer wählen“. Dieser Slogan wurde bisher zwar noch nicht gesichtet, aber im Gegesatz zum ersten Spruch ist dies wenigstens auch tatsächlich der Fall.
Und das läuft so: In den Wahlen zum Nationalrat hat das SVP-Schafvolk so intensiv darauf geachtet, den Jugend- und Frauenanteil zu heben, dass der alte Mann Ulrich Schlüer (der mit der „Schweizerzeit“ und dem Kampf gegen Minarette und Antirassismusgesetz) doch tatsächlich aus der Liste der Gewählten fiel. Wie kommt das?
Die SVP ist doch traditionell die Partei, deren Wähler am wenigsten Änderungen an den Stimmzetteln vornehmen. Stand Schlüer schlicht auf nicht allen vorgedruckten Wahlzetteln? Oder ist das der Ausdruck einer Links-Bewegung innerhalb der SVP? Möchten die SVP-Wähler kein Minarettverbot? Stand Schlüer der SVP Wählerschaft schlicht zu weit rechts, dass sie ihn gar nicht mehr im Blickwinkel hatten? Und wenn das alles stimmt – wird die SVP dadurch sogar zu einer Zentrumspartei und löst so noch die CVP ab?
Viele Fragen, auf die es so einfach keine Antwort gibt. Auch die kommende zweite Runde der Ständeratswahlen gibt auf diese Frage keine Antwort. Sie wird nur klären, ob der Rechtsaussen Schlüer wieder nach Bern gehen darf. Und zwar indem die Frage geklärt wird, ob der Ex-Parteipräsident Ueli Maurer ins „Stöckli“ geht oder nicht und Schlüer für Maurer in den Nationalrat nachrückt.
Somit heisst die Frage an die Zürcher Stimmbevölkerung nicht: „Wollt Ihr Ueli Maurer im Ständerat?“ sondern „Wollt ihr Ulrich Schlüer im Nationalrat?“. Und dann soll es nicht wundern, dass fast alle anderen Parteien Verena Diener unterstützen?
- Der Politblogger
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