Die Schweizerische Opferpartei

Worin lässt es sich so richtig suhlen? Klar – in der Rolle des Opfers. Und das beherrscht in der Schweiz keine andere Partei besser als die SOP. Und da die SOP nicht irgendeine Partei ist sondern sich als die Schweizerischste Partei sieht, ist die Schweiz folglich DAS Opfer der EU, von Zigeunern und allen anderen Halunken. Beispiele?

  • Regierungsratswahlen Herbst 2008 im Aargau. Der SOP-Kandidat kämpft um seine wiederwahl und hat deshalb das innovative Instrument des Wettbewerbs eingesetzt. Hauptpreis: Einkaufen in Aarauer Geschäften für total 1000 CHF zusammen mit ihm. Tönt doch sehr verlockend: Mit einem Politiker einkaufen gehen und das Wichtigste der Politik lernen, nämlich dass man nicht selbst bezahlen muss. Diese extrem innovative und nie zuvor eingesetzte Wahlkampfstrategie möchte er im Büro zeigen und stellt fest, dass der Link zu seiner Homepage www.PeterOpfermann.ch nicht aufrufbar ist, obwohl von nicht-kantonalen Computer seine Seite aufgerufen werden kann. Was macht ein treues Mitglied der SOP? Er geht gleich an die Medien und beklagt, dass er Opfer der Staatszensur sei und dass er alles unternehmen würde, dass auch von Kantonalen Computer aus die Zeit mit Wettbewerben vergeudet werden könne. Als er zwei Stunden später auch vom Büro aus auf seine Homepage kommt, ist er nicht erleichtert – nein, er sieht sich bestätigt, dass „irgendjemand“ etwas gegen ihn hätte und er politisch geschädigt werden sollte.
  • Referendum um die Bilateralen mit der EU in der Innerschweiz: Eine Ortspartei erkundigt sich beim Bauamt, ob sie am gleichen Ort wie bei den Wahlen ein Plakat aufstellen dürften und bekommen vom Bauamt ein OK. Als sie das Plakat mit dem Ständer dann wirklich aufstellen wollen, kommt das Veto der Regierung, dass die erteilte Bewilligung nicht gültig sei. Das Bauamt könne nur für Wahlen solche Bewilligungen erteilen, nicht jedoch bei Sachgeschäften. Dann sei die Regierung zuständig und die sage hiermit Nein. Was teilt die SOP daraufhin den Medien mit: Behördenwillkür, Behördenwillkür, Behördenwillkür!!!
  • Referendum um die Bilateralen mit der EU in der Argumentation im Web: Der Bundesrat müsse die Bilateralen ja nicht kündigen – sie könne ja eine neue Vorlage ausarbeiten, welche dann ja vielleicht angenommen werde. Zudem würden die beiden neuen EU-Mitglieder, auf die die Personen-Freizügigkeit (und auch die anderen Teile der Bilateralen) ausgedehnt werden solle, sowieso nur unsere geliebte AHV plündern und die IV in den Ruin treiben. Wir Schweizer sind das Opfer dieser betrügerischen EU-Staaten!!!
  • Abstimmungskampf zum gleichen Referendum: Der Bundesrat (und im Speziellen eine SP-Bundesrätin) betreibe Nötigung, wenn er behaupte, dass die Bilateralen I nach einem „Nein“ gekündigt werden müssten. Das Nein-Komitee sei somit ein Opfer des verleumderischen Geasamt-Bundesrates. Also nicht Freiheit der Meinungen und Sachlichkeit im Abstimmungskampf sondern Emotionen, Schlammschlacht und Intrigen sollen es also richten, welche aber ganz sicher nicht von der Opferpartei gestartet wurden!
  • Bundesamt für Flüchtlinge: Durch den hocheffektiven Bundesrat C.B. wurden sehr viele Stellen gestrichen damit allen gezeigt werden kann, dass sich auch der Staat nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten straffen lässt. Der so gestraffte und jugendlich ausschauende Behördenapparat wird nach dem Ausscheiden von C.B. von Flüchtlingen überrannt. Als die neu zuständige Bundesrätin dies publik macht, kommt als Antwort von C.B.: „Im BFF ist der alte Schlendrian zurückgekehrt“. Die Arbeit des Volkslieblings war also nicht schlecht sondern würde einfach schlecht gemacht – Er ist das Opfer von Verleumdungen!
  • Verkehrskontrollen im Kanton Zürich: Von der Opferpartei werden die derart aufgebrachten Mittel regelmässig als zu hoch erachtet und die Partei will regelmässig erreichen, dass die entsprechenden Budget-Posten gekürzt werden. Harmlose Autofahrer, welche die budgetierten Mittel dem Staat abliefern sind also nicht Täter wie es das System der Gesetze und insbesondere das Strassengesetz vorsieht, sondern Opfer, welche ohne Ende geschröpft werden!
  • Weitere Beispiele in Stichworten: Bundesratswahl (resp. -abwahl) und Nichtberücksichtigung der aufgestellten Extremkandidaten; Ausschluss der (Nichtgenehmen) Gewählten damit man das „Opfer“ im Parteinamen noch besser heraushängen kann; Das Beschwören der Konkordanz, welche die bösen Anderen gebrochen haben indem sie nicht auf Erpressungen eingegangen sind; Kampf gegen HARMOS mit dem Opferblick eines Kindes (Ehrlich gesagt würde ich ein 4jähriges Kind auch nicht in eine Schule nach Opferpartei-Vorstellungen schicken wollen!) usw.

Die Schweiz also ein Volk von Opfer? Wenn man der Opferpartei folgt, scheinbar schon. Sie hofft scheinbar auf den Solidaritäts-Effekt all jener, welche sich in irgendeiner Weise irgendwann schon mal als Opfer fühlten. Sei es als Opfer von „Staatswillkür“ oder als Opfer im privaten Bereich. Geht diese Strategie auf? Wenn man die Gewinne der Opferpartei in den letzten Jahren anschaut, könnte man das durchaus denken, denn auf Sachpolitik beruhen sie sicher nicht. Und wenn man in der Basis der Opferpartei umschaut, dann scheint diese diese Strategie zu geniessen. Immerhin kann man sich dann wie in einer „Gschpüürsch-Mi“ Gruppe nach „Link-Nettem“ Vorbild Mut zusprechen und von einer heilen „Sonderfall-Schweiz“-Welt ohne Opfer (in den eigenen Reihen) träumen….

Egal, wie sich die Opferpartei weiterentwickelt – der Politblogger bleibt dran.

- Der Politblogger

Nachtrag:
Was eine richtige Opferpartei ist, behauptet bei einem Sieg, dass die besseren Argumente gesiegt haben – bei einer Niederlage aber haben die Gegner einfach das grössere Budget gehabt. Man ist ja schliesslich das Opfer und um Himmels Willen ja nicht ein Täter. Und da macht unsere Schweizerische Opferpartei natürlich auch voll mit.

Darum gilt mein ausserordentlicher Respekt der Zürcher Alternativen Liste die es geschafft hat, ein so grosses Budget aufzutreiben, dass die Pauschalbesteuerung für reiche Ausländer abgeschafft werden soll!

- Der Politblogger

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